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Blau, Hellgrün, Dunkelgrün, Schwarz
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- Published on Saturday, 01 January 2005 00:00
- Written by Danja Klink
Schweizer Meisterschaften im Apnoetauchen
Blauer Himmel schon früh morgens über dem Hafen von Auvernier (NE). Verschlafene Gesichter bei den kurz Anreisenden, müde Gesichter bei denen die schon eine weitere Fahrt hatten. Morgens um 8:30 versammeln sich die Schweizer Apneisten um bei Ihrer Meisterschaft im Tieftauchen teilzunehmen. Die weiteste Anreise hatte „Special Guest“ Karsten Schneider, der Deutsche ist aus Hamburg angereist um einen Rekordversuch in der Disziplin „Immersion Libre“ zu unternehmen.
Die Organisation des CEAL „Centre d’Entrainement pour l’Apnee Lacustre“ läuft indessen schon. Die Sicherunstaucher richten Ihre Geräte, Boote fahren in den Hafen ein, Arzte und Rettungsdienst melden sich bereit. Pascal Zahnd brieft die Taucher, einige werden mit Mischgas die grössten Tiefen absichern, andere tauchen Pressluft und Nitrox. Zur Sicherung der Apneisten und um die Sicherungstaucher nicht durch zu schnelle Aufstiege im Notfall zu gefährden, hat man sich ein System erdacht. Jeder Apneist bekommt ein Band mit Haken um das Handgelenk. Würde ein Notfall in der Tiefe eintreten, hängen die Gerätetaucher einen Hebeballon an und bringen so den Apneisten auf den schnellsten Weg nach oben. Dieser und der genaue Ablauf werden nochmals durchgesprochen. Das Team ist routiniert, einige Weltrekordversuche und Meisterschaften wurden schon durchgeführt. Jeder weiss welche Handgriffe er zu erledigen hat und pünktlich stehen die Boote zur Abfahrt bereit.
Unterdessen lassen sich alle Athleten registrieren. Bereits bei der Anmeldung wurden die geplanten Tiefen gemeldet, heute muss die Tiefe bestätigt oder reduziert werden. Eine Erhöhung ist nicht möglich. Zwei Disziplinen stehen auf dem Programm. Vormittags wird mit „konstantem Gewicht“ getaucht. D.h. der Apneist darf Blei mitnehmen, darf es aber nicht abwerfen und er bewegt sich nur mit Hilfe seiner Flossen vorwärts. Nachmittags dann „Immersion Libre“, das freie Tauchen. Ohne Flossen zieht sich der Apneist am Führungsseil in die Tiefe und auch wieder nach oben.
Auch bei den Apneisten gibt es ein Briefing. Erklärt wird der genaue Ablauf und die Regeln. Dann geht es auf die Boote und hinaus auf den Neuenburger See.
Wenig Wellen, optimale Bedingungen oben. Ein Ponton bildet die Plattform von der aus getaucht wird. Wassertiefe 60 Meter. Während sich die ersten Apneisten umziehen wird das Führungsseil mit dem Grundgewicht hinunter gelassen.
Der Wettkampf wird nicht nur durch Gerätetaucher gesichert. Im oberen Bereich sichern zwei Apneisten den Athleten. Sie warten eine gewissen Zeit ab und tauchen dann auch weniger tief ab und begleiten den Athleten bis an die Oberfläche. Dieses Sicherungssystem hat sich schon viele Male bewährt. Der kritische Bereich eines Apnoetauchganges liegt zwischen –10 und 0 Meter, hier ist die Druckentlastung beim Auftauchen am grössten. Der Sauerstoffparzialdruck fällt am schnellsten ab, der Stickstoffanteil steigt aber weiterhin. Hat nun der Apneist zu lange gebraucht, wird er unter Umständen ohnmächtig. In so einem Fall bringen ihn die Sicherungsapneisten schnellstens an die Oberfläche und laufen dabei nicht in Gefahr einen Dekounfall zu erleiden.
Fünfundvierzig Minuten vor dem Start können sich die ersten Athleten eintauchen. Auch die Sicherungsapneisten bereiten sich durch einige Tauchversuche auf den Wettkampf vor. Der Blick unter Wasser bestätigt, was man schon von oben sieht. Der See ist nicht klar, hellgrün ist er an der Oberfläche.
Das stört Peter Weinmann aus Horgen wenig. Er trainiert im Zürichsee und ist diese Bedingungen gewöhnt. Als mehrmaliger Schweizer Meister eröffnet er den Wettkampf, denn er hat die grösste Tiefe angegeben. Die Jury zählt den Count-down von zwei Minuten herunter. Nach dem Top-Offiziell hat er dreissig Sekunden Zeit abzutauchen.
Peter Weinmann begibt sich auf den Weg nach unten, es wird hellgrün, dann dunkelgrün und bald schon schwarz um ihn. Nur die Lichter der Sicherungstaucher begleiten ihn auf dem Weg. Das Ziel 52 Meter, hier muss er eine Plakette abreissen und dann geht es wieder nach oben.
Nach einer Minute folgt Ihm der Sicherungsapneist. Heute kein geringerer als der mehrfache Weltrekordhalter Heimo Hanke. Nach über zwei Minuten zeigt der Sicherungsmann an der Oberfläche an, dass er die beiden Apneisten erkennen kann. Peter Weinmann taucht auf, etwas ausser Atem jubelt er. Einmal mehr ist er der tiefste Schweizer in dieser Disziplin.
Alle sieben Minuten folgt nun ein weiterer Versuch. Als nächster geht Pascal Schwab an den Start, gefolgt von Peter Colat. Doch beide haben sich an diesem Tag mit 50 bzw. 47 Metern überschätzt. An der Oberfläche angekommen haben sie Ihren Körper nicht mehr klar unter Kontrolle (Lost of Motion Control). Bei den Apneisten heisst das „Samba“, denn meistens zeigt sich das durch nicht kontrollierbare Zuckungen. Wenn dies eintritt wird der Tauchgang nicht gewertet. Erst Andreas Falkenroth mit seiner Tiefe von 40 Metern wird erfolgreich seinen Tauchgang beenden.
Als sechste taucht dann Joanna Massacand. Sie ist heute die einzigste Frau im Starterfeld. Wettkampferfahren hat sie eine Tiefe gewählt, welche sie trotz wenigem Training, zeitlich bedingt durch ihr Studium, erreichen kann. Mit der Plakette von 34 Metern in der Hand taucht sie strahlend auf und wird somit den sechsten Rang belegen. Sie bedauert, dass einige Frauen abgesagt haben. Es wäre doch schöner wenn eine separate Frauenwertung gemacht werden könnte.
Zwölf Freitaucher wagen an diesem Vormittag den Abstieg, dann gibt es eine Pause und die zweite Disziplin „Immersion Libre“ wird vorbereitet. Aufgrund einer schlechten Wettervorhersage, ein Sturm soll aufziehen, wird der Zeitplan gestrafft.
Der Wind hat aufgefrischt, Wellen machen die Vorbereitung an der Oberfläche schwieriger. Um 14 Uhr startet Karsten Schneider seinen Rekordversuch. Sechzig Meter will er erreichen. Diese Tiefe wäre deutscher Rekord! Er zieht sich langsam in die Tiefe, fast gemächlich sieht das aus und an Bord der Boote steigt die Spannung. Dann erscheint er fit an der Oberfläche, doch ohne Plakette. Druckausgleichprobleme zwangen ihn bei 51 Metern umzudrehen.
Als nächster Peter Weinmann, auch diese Disziplin dominiert er seit Jahren. Seine angestrebten 57 Meter erreicht er und hat somit eine weitere Schweizer Rekordmarke gesetzt.
Erfreulich, dass es in dieser Disziplin keine Sambas mehr gibt.
Dreizehn Mal sind die Sicherungstaucher abgetaucht, dann ist es geschafft. Es geht zurück an Land, gerade rechtzeitig vor dem schlechten Wetter!
Top Organisation bis hin zum Wetter. Massimo Romano und das CEAL haben den Wettkampf professionell ausgerichtet und die anschliessende Feier hat sich das Team wohl verdient!

